Kapitel 1 - Der erste Funke
Niemand sollte behaupten, es gäbe keine Naturwunder.
Alles hat einen Sinn -
oder vielleicht auch nicht,
denn in Viridara folgt selbst das Sinnlose
einem geheimen Lied.
Hoch oben im Kronendach
löst sich ein einzelnes Blatt
vom ältesten Baum des Waldes.
Es fällt nicht einfach -
es tanzt,
getragen vom Atem Viridaras,
als würde der Wald selbst es führen.
Als es den Boden berührt,
wird die Erde still,
als lausche sie einem uralten Flüstern.
Denn in diesem einen Blatt
ruht der erste Funke
eines neuen Lebens.
Der Schimmer, der vom Blatt ausgeht,
sickert tiefer in den Mooshügel,
als würde das Licht einen verborgenen Pfad suchen.
Das Moos hebt und senkt sich, kaum sichtbar,
doch spürbar wie ein uralter Atem,
der nach langer Zeit wieder erwacht.
Ein leises Pulsieren beginnt -
warm, vertraut,
wie der Herzschlag eines Wesens,
das noch keinen Namen trägt.
Das goldene Glimmen breitet sich aus,
kriecht zwischen die Moosfasern,
legt sich in die Erde,
und der Wald lauscht,
als würde er eine Geschichte wiedererkennen,
die er selbst einst vergessen hat.
Feine Staubfunken steigen auf,
tanzen über dem Hügel wie winzige Glühwürmchen,
die nur erscheinen, wenn Magie sich sammelt.
Die Luft wird dichter, weicher,
und ein kaum hörbarer Ton
schwebt zwischen den Bäumen -
ein Klang, der nicht von außen kommt,
sondern aus dem Inneren des Mooses.
