Kapitel 6: Der erste Strich 

Chapter 6: The First Stroke

 

 

Kapitel 6: Der erste Strich

 

Embla hatte viel zu tun. Sie half ihrer Großmutter bei der Ernte der verschiedenen Kräuter im Garten, und so lernte sie, wofür sie waren – gegen Halsschmerzen und andere kleine Gebrechen. Die Kräuter mussten verlesen, gebündelt und aufgehängt werden, damit sie in Ruhe trocknen konnten.

Es verging eine geraume Zeit, bis sie wieder zur großen alten Ulme ging. Doch in ihr war etwas gewachsen – ein Wunsch, still und neu. Nicht nur zu staunen. Nicht nur zu fragen. Sondern etwas festzuhalten, das sonst verschwinden würde.

Sie wollte zeichnen lernen. Nicht perfekt. Sondern so, dass das, was sie sah, was sie fühlte, was sie verstand, sichtbar wurde. Die Form eines Blattes. Das Licht, das durch die Zweige fällt. Die Stille zwischen den Geräuschen.

Sie wollte all das nicht nur denken. Sie wollte es teilen. Sie wollte es sichtbar machen.

Embla holte ein altes Skizzenbuch ihrer Großmutter hervor, das nach Lavendel roch. Die Seiten waren leer. Aber Embla wusste: Sie war bereit, sich auf all das einzulassen – diese Einladung, unausgesprochen und geformt in all ihrer Schönheit um sie herum.

Mit einem Bleistift in der Hand und dem Stein mit der Spirale, der ihr Glücksbringer und Talisman geworden war, begann sie zu zeichnen. Erst zaghaft. Dann mutiger.

Denn manchmal ist der erste Strich der Anfang einer neuen Sprache. Und Embla hatte viel zu sagen.

 

Chapter 6: The First Stroke

 

Embla had much to do. She helped her grandmother, harvest the various herbs in the garden, and that’s how she learned, what they were for – sore throats and other small ailments. The herbs had to be sorted, bundled, and hung up to dry, slowly and patiently.

A good amount of time passed before she returned to the great old elm. But something had grown inside her – a quiet longing, new and tender. Not just to marvel. Not just to ask. But to hold something still before it vanished.

She wanted to learn to draw. Not perfectly. But in a way that made visible what she saw, what she felt, what she understood. The shape of a leaf. The light falling through the branches. The silence between sounds.

She didn’t want to just think these things. She wanted to share them. She wanted to make them visible.

Embla took out an old sketchbook of her grandmother’s, faintly scented with lavender. The pages were blank. But Embla knew: She was ready to embrace it all – this invitation, unspoken and shaped in all its surrounding beauty.

With a pencil in hand and the spiral stone, which had become her lucky charm and talisman, she began to draw. At first timidly. Then more boldly.

Because sometimes the first stroke is the beginning of a new language. And Embla had much to say.

 

 

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